Der Staat Sudan

In der 45-jährigen Geschichte der Beherrschung durch die mächtigen sudanarabischen Eliteclans haben diese ihre politische Herrschaft gefestigt. Sie kontrollieren heute die Wirtschaft des Landes. Die südsudanesische Industrie wurde nach der Unabhängigkeit in den Norden verlagert. Die Gewinne aus der Nutzung der Bodenschätze und Agrarprodukte flossen aus den Regionen ab und wurden für die Entwicklung des Zentrums um Khartoum und den Machterhalt der nordsudanesischen Eliten benutzt. Alle Regionen mit nicht-arabischer Bevölkerung sind immer wieder Ziel von Vertreibung, Landenteignung und Versklavung gewesen.

Seit der Unabhängigkeit haben die Regierungen in Khartum - und verstärkt die seit 1989 regierenden Islamisten - versucht, ihre Macht auszubauen, obwohl sie nicht demokratisch legitimiert sind, geschweige denn, die Mehrheit der Bevölkerung vertreten. Die Anstrengungen, nicht-arabische und nicht-islamische Menschen zu islamisieren und zu arabisieren (s. Arabisierung), und die damit verbundenen Grausamkeiten wurden mit dem Putsch der NIF, verstärkt. Nicht nur in Südsudan, das seit 1955 meist Kriegsschauplatz war, sondern auch in Westsudan und - noch weniger von der Öffentlichkeit wahrgenommen - auch in Ostsudan haben sich Widerstandsarmeen formiert. Sie wehren sich gegen die Marginalisierung und gegen die Übergriffe durch die Regierung in Khartoum.
hoxel